Kurze Kursübersicht
Die Chinesische Medizin präsentiert sich heute als Dickicht verschiedenster Stile und Ansätze: TCM, klassische Rezepturenlehre, japanische Meridiantherapie – die Liste ist lang. Doch wie navigiert man durch diese Vielfalt, ohne sich zu verlieren oder sich auf einen einzigen Ansatz zu beschränken?
Metapraxis ist die Antwort. Dieser einzigartige Ausbildungsansatz versetzt Sie in die Lage, flexibel mit verschiedenen Praxisstilen zu arbeiten, ohne jemals durch bereits Gelerntes eingeschränkt zu werden. Statt Patient:innen in ein System einzupassen, passen Sie das System an die individuellen Bedürfnisse Ihrer Patient:innen an.
Prof. Volker Scheid zusammen mit einem erfahrenen Dozententeam bietet seinen fünften Lehrgang Advanced Chinese Medicine – Metapraxis zum ersten Mal in der Schweiz in deutscher Sprache an.
Die Essenz des Kurses
Über drei Jahre entwickeln Sie ein tiefgreifendes Verständnis von sechs verschiedenen, aber vernetzten Körper-Perspektiven – vom kosmologischen über den physiologischen bis zum territorialen Körper. Sie erwerben nicht nur konzeptuelles Wissen und therapeutische Werkzeuge, sondern vor allem die Fähigkeit, beides klinisch wirksam zu verbinden.
Das Versprechen
Nach drei Jahren intensiver Arbeit mit dem Dozierendenteam um Prof. Volker Scheid verfügen Sie über ein tieferes, umfassenderes Verständnis physiologischer und pathologischer Prozesse und einen direkteren Zugang zu den Quellen Ihrer Tradition. Mit einer stringenten Terminologie und einem erweiterten Werkzeugkasten behandeln Sie Krankheiten gezielter, flexibler und individualisierter. Ausgestattet mit den Fähigkeiten für lebenslanges Lernen und klinischer Exzellenz, werden Sie zu einem besseren Kliniker, einer besseren Klinikerin.
Was ist Metapraxis?
Metapraxis ist ein Werkzeug, um effektiv mit verschiedenen Praxisstilen zu arbeiten. Dies hat vier entscheidende Vorteile.
- Es stellt die Patient:innen in den Mittelpunkt.
- Es steigert die diagnostischen und therapeutischen Fähigkeiten erheblich.
- Es vertieft das Verständnis und den Zugang zu den Traditionen der chinesischen Medizin.
- Es bietet eine solide Basis für lebenslanges Lernen.
Metapraxis ist keine neue Erfindung. In der langen Geschichte der Chinesischen Medizin gab es immer wieder einflussreiche Ärzte, die ähnliche Modelle entwickelt haben, wie z.B. Ye Tianshi, Zhou Xuehai, Zhang Xichun oder Qin Bowei. In diesem Sinne ist Metapraxis nichts anderes als die lebendige Tradition der Chinesischen Medizin.
Ein Behandlungsprozess ist in der Metapraxis nicht durch einen einzigen Praxisstil bestimmt, in den Patient:innen eingepasst werden müssen, sondern durch die individuellen Patient:innen selbst. Denn wer Pathologie grundsätzlich auf die Konstitution der behandelten Person zurückführt, weil es dem eigenen Praxisstil entspricht, wird kaum in der Lage sein, akute epidemische Erkrankungen oder schwere Krankheiten durch Toxine effektiv zu behandeln. Und wer sich ausschliesslich auf 2000 Jahre alte Rezepturen stützt, wird Schwierigkeiten haben, mit pathologischen Prozessen wie Schleim oder feuchter Wärme umzugehen, da Konzepte dazu erst in späteren Epochen entwickelt wurden.
Metapraxis hilft, klinisch effektiver zu arbeiten, weil mehr Werkzeuge zur Verfügung stehen. Diagnostisch werden in unterschiedlichen Praxisstilen unterschiedliche Instrumente wie Puls-, Zungen- oder Bauchdiagnose, Inspektion oder Hören betont. Metapraxis benutzt alle diese Instrumente, auch wenn nicht immer alles gleichzeitig notwendig ist. Denn die Patient:innen und der Kontext bestimmen den Fokus. Aber auch die eigenen, diagnostischen Stärken können eingebracht werden, da manche Therapeut:innen leichter visuelle Informationen verarbeiten, während andere lieber palpatorisch arbeiten.
Therapeutisch erfordert die Arbeit mit verschiedenen Praxisstilen in der Metapraxis eine genaue Definition von Konzepten wie zangfu, sechs Schichten, wenbing, Toxinen, oder fünf Wandlungsphasen. Denn die ungenaue Definition der Konzepte, die unterschiedlichen Praxisstilen zugrunde liegen, führt in der Praxis oft zu ungenauen Behandlungen. Gleichzeitig erfordert die Vernetzung verschiedener Stile das Erarbeiten konzeptueller Gemeinsamkeiten mit klinischer Relevanz. Das kann eine Herausforderung sein, erweitert aber letztendlich unser therapeutisches Wissen und vertieft unser Verständnis von den Ursprüngen der chinesischen Medizin. So ermöglicht Metapraxis, die eigenen klinischen Fähigkeiten systematisch zu erweitern, ohne jemals durch das bereits Gelernte eingeschränkt zu werden.