Interview mit Stefan Maegli, Teilnehmer des ersten Ausbildungskurses 1986

1986 war Chiway noch keine etablierte Akademie. Keine Website. Kein Diplomlehrgang mit klaren Modulen. Kein Campus. Noch nicht mal der Name stand fest.

Es war, unter der fachkundigen Anleitung von Hamid Montakab, eine kleine Gruppe von Menschen mit Neugier, Mut – und dem Wunsch, Chinesische Medizin wirklich zu verstehen,

Stefan Maegli war einer von ihnen.

Im Gespräch mit Simon Becker, Co-Leiter der Chiway Akademie heute, blickt er zurück auf die Anfänge – und auf einen Weg, der ihn über Kreta und Seattle schliesslich in eine 30-jährige Praxistätigkeit führte.

Dieses Interview ist Teil der Jubiläumsreihe „40 Jahre Chiway Akademie“.


Zwei Monate Kreta – der Anfang der Akademie

Die erste Ausbildung 1986 fand nicht in einem Schulgebäude statt, sondern in einem Bungalow-Hotel am Meer.

Zehn, vielleicht zwölf Studierende reisten im Herbst 1986 für zwei Monate nach Kreta. Rund 300 bis 400 Unterrichtsstunden – konzentriert, diszipliniert, intensiv. Bei Hamid Montakab.

Tagsüber Unterricht.
Abends das Meer.
Zwischendurch Austausch.

„Ich dachte damals, nach diesen 400 Stunden weiss ich, wie Akupunktur funktioniert“, erzählt Stefan.
„Am Ende wusste ich vor allem, wie viel ich noch nicht weiss.“

Es war diese Erkenntnis – die Tiefe des Systems, die Komplexität, die Zusammenhänge –, die ihn weitergehen liess.


Der nächste Schritt – Seattle

1993 erhielt Stefan ein Stipendium des Kantons Basel-Landschaft. Mit Frau und drei Kindern ging er nach Seattle – für drei Jahre Vollzeitausbildung mit Staatsexamen.

Damals war die Situation in der Schweiz noch schwierig:
Akupunktur galt juristisch als Körperverletzung und war im Wesentlichen Ärztinnen und Ärzten vorbehalten. Arbeiten durfte er nach seiner Rückkehr zunächst nicht.

Doch er suchte nach einer Lösung. Beantragte eine Bewilligung in einem anderen Kanton. Baute schliesslich seine eigene Praxis auf – und führte sie rund 30 Jahre lang.

Heute ist er pensioniert, und blickt zufrieden auf diese Zeit zurück.


Zwei Welten, die sich ergänzen

Stefan war ursprünglich Physiotherapeut.
Er kombinierte Physiotherapie und Akupunktur – und erlebte täglich, wie sich die beiden Ansätze ergänzen.

Wenn er mit der Schulmedizin an Grenzen kam, öffnete sich mit der Akupunktur ein neuer Zugang.
Und umgekehrt brachte sein physiotherapeutisches Wissen Stabilität und Struktur in seine TCM-Arbeit.

„Für mich war das eine perfekte Ergänzung.“


Von der Pionierzeit zur Profession

Wer heute eine Ausbildung in Chinesischer Medizin beginnt, startet in einem klar strukturierten, etablierten Bildungssystem.

Das war 1986 noch ganz anders.

Unterschiedliche kantonale Regelungen, Unsicherheit, wenig Akzeptanz.

Stefan engagierte sich später auch berufspolitisch und begleitete die Entwicklung der Komplementärmedizin in der Schweiz aktiv mit.

Sein Fazit nach fast vier Jahrzehnten:

„Heute stehen wir auf einem sehr guten Niveau – auch im internationalen Vergleich. Die Ausbildung ist fundiert, die Schulen sind etabliert. Man darf Vertrauen haben.“


Was bleibt

Auf die Frage nach einem besonderen Moment denkt Stefan nicht an ein einzelnes Ereignis.
Sondern an die erste Gruppe. Den Zusammenhalt. Die Intensität. Den gemeinsamen Aufbruch.

Und an die Erkenntnis, dass Lernen in der Chinesischen Medizin nicht bedeutet, schnell Antworten zu bekommen – sondern bereit zu sein, immer tiefer zu fragen.


40 Jahre später

Was damals in einem Hotel am Meer auf Kreta begann, ist heute eine Akademie mit klarer Struktur, mit Herzblut, mit hoher fachlicher Qualität – und mit einer Geschichte, die von Menschen getragen wurde, die bereit waren, Neuland zu betreten.

Stefan Maegli war als Student der ersten Stunde einer dieser Menschen.

Heute spielt er Gitarre, reist, wandert, segelt und geniesst die Freiheit nach 30 Jahren Praxistätigkeit.

Der Pioniergeist von damals aber – der wirkt weiter.


Das ganze Gespräch im Video


40 Jahre Chiway – und wir feiern weiter

Dieses Interview ist das erste Highlight unserer Jubiläumsreihe.
Ab dem 17. Februar veröffentlichen wir alle 14 Tage einen neuen Beitrag – mit Geschichten, Wegbegleitern und Einblicken in 40 Jahre Chiway.

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