Highlight: Stephen Birch – vom Zweifler zum Forscher
40 Jahre Chiway Highlights, Chiway - Gut zu wissenStephen Birch: Von der Philosophie zur japanischen Akupunktur
Eigentlich wollte Stephen Birch Arzt werden. Er stammt aus einer Medizinerfamilie und bereitete sich schon als Jugendlicher intensiv auf das Medizinstudium vor. Doch er zweifelte daran, ob die naturwissenschaftlichen Grundlagen Gesundheit und Krankheit ausreichend erklären konnten.
Statt Medizin studierte er zunächst Philosophie, fand jedoch auch dort nicht die Antworten, die er suchte. Schliesslich wollte er etwas Praktisches lernen, mit dem er anderen Menschen helfen konnte. So entdeckte er die Akupunktur.
Seine unerwartete Begegnung mit der japanischen Akupunktur
An der New England School of Acupuncture in Boston begann Birch seine Ausbildung in chinesischer Medizin. Allerdings gab es ein Problem: Jedes Mal, wenn er selbst akupunktiert wurde, fiel er in Ohnmacht.
Das änderte sich, als die japanische Akupunkteurin Kiko Matsumoto einen Gastvortrag hielt. Birch meldete sich freiwillig für eine Behandlung – und blieb diesmal bei Bewusstsein.
Ein Schlüsselerlebnis: Er begann, sich intensiv mit japanischer Akupunktur auseinanderzusetzen, reiste ab Mitte der 1980er-Jahre regelmässig nach Japan und lernte bei erfahrenen Lehrern. Bis heute arbeitet er insbesondere mit den Methoden von Manaka und der Toyohari-Meridiantherapie.
Nach Stationen in Lehre, Praxis und Forschung in den USA zog er 1997 nach Europa. Heute praktiziert er in Amsterdam.
Wissenschaftliche Forschung für ihn der Schlüssel für die Zukunft
Seit Jahrzehnten widmet sich Stephen Birch auch der wissenschaftlichen Erforschung der Akupunktur. Den Anstoss gaben seine japanischen Lehrer: Sie befürchteten, dass die traditionellen Methoden ohne wissenschaftliche Evidenz langfristig an Bedeutung verlieren könnten.
Birch promovierte und beschäftigte sich unter anderem mit klinischen Studien, Diagnosemethoden und Behandlungssicherheit.
Im Gespräch mit Simon Becker betont er, dass Akupunktur in der etablierten Medizin bereits mehr Anerkennung findet, als vielen Praktizierenden bewusst ist. Gerade in Europa sieht er noch Potenzial für eine engere Zusammenarbeit mit Ärzten und Spitälern.
Dafür braucht es weitere Forschung, auch zu traditionellen Grundlagen wie Yin und Yang, den fünf Wandlungsphasen und den Meridianen. Wichtig ist ihm, offen zu benennen, wo wissenschaftliche Erkenntnisse bereits vorliegen und wo noch Forschungsbedarf besteht.
Sein Rat an die nächste Generation: Dranbleiben!
Nach mehr als 40 Jahren Erfahrung gibt Stephen Birch angehenden AkupunkteurInnen einen einfachen Rat:
«Stick with it.» – Bleibt dran!
Auch wenn wir noch nicht vollständig verstehen, wie Akupunktur wirkt, ist Birch von ihrem Potenzial überzeugt. Er ermutigt junge TherapeutInnen, kontinuierlich zu lernen, praktische Fertigkeiten weiterzuentwickeln und klinische Erfahrung zu sammeln.
Denn selbst nach Jahrzehnten des Praktizierens und Forschens gibt es immer noch Neues zu entdecken!
Das vollständige Interview mit Stephen Birch und Simon Becker gibt es im Video.
Bereits veröffentlichte Highlights der 40-Jahre-Reihe
Webinar Hamid Montakab -Teil 2 – Fear of Death and Acupuncture Strategies
Interview mit Peter Firebrace – 45 Jahre Neugier auf Chinesische Medizin
Gespräch mit vier frisch diplomierten Chiway Absolvent:innen
Interview & Weiterbildung mit Andreas Kalg
Webinar Hamid Montakab – Teil 1 – Fear and Acupuncture Strategies
Interview Hamid Montakab – Die Chinesische Medizin – Eine Medizin, die den Menschen behandelt
Interview Barbara Kirschbaum – 50 Jahre Erfahrung mit der Chinesische Medizin
Webinar Christina Aubert zur Chinesischen Medizin in der Gynäkologie
Interview Christina Aubert – Vom „Birchermüesli im Kopf“ zur TCM Expertin
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