An der Chiway Akademie für Akupunktur und Asiatische Medizin bilden wir Menschen zu zukünftigen TCM-Therapeut:innen aus – und wir bieten Weiterbildungen für Menschen an, die es bereits sind.
Wir sind echte Menschen, die echte Menschen unterrichten – mit Herzblut, Leidenschaft und mit unseren eigenen Charakteren und Persönlichkeiten.
Das teilen wir auch regelmässig: in dieser Blogreihe zum Beispiel, in unseren „40 Jahre Chiway – Jubiläumshighlights“, im Newsletter und auf unserer Website.
Und dabei begegnet uns immer öfter diese Frage:
Welche Rolle soll und darf KI dabei spielen?
Für uns ist die Antwort nicht einfach schwarz oder weiss.
Wie wir schreiben
Unsere Texte schreiben wir selber. Wir diskutieren, redigieren, verändern und verbessern sie.
Und ja – wir lassen uns dabei von einer KI helfen – als Sparring-Partner, zum Gegenlesen oder um uns auf etwas aufmerksam zu machen, das wir vielleicht übersehen haben.
Thema, Haltung und Aussagen kommen von uns. KI hilft uns dabei, schneller und gründlicher zu arbeiten und noch einmal mit ein paar zusätzlichen „Augen“ auf einen Text zu schauen. Das ist übrigens auch mit diesem Text passiert. Die erste Fassung haben wir selbst geschrieben. Anschliessend haben wir sie von einer KI kritisch prüfen lassen. Dabei wurden nicht nur ein paar Schreibfehler entdeckt. Die KI hat uns auch darauf aufmerksam gemacht, dass wir das Thema zunächst etwas zu sehr als Entweder-Oder beschrieben hatten.
Genau das ist es ja aber eigentlich nicht – lies weiter, wenn dich unsere Haltung interessiert. Wir würden deine gern kennen – und freuen uns über deinen Kommentar (ganz unten).
Wie wir zu Bildern kommen
Auch unsere Bilder entstehen in erster Linie ganz klassisch: Wir fotografieren selber oder arbeiten mit Fotograf:innen – echte Menschen fotografieren echte Menschen. Manchmal lassen wir uns inzwischen aber auch dabei von KI helfen.
Warum?
Wir möchten dir möglichst lebendige und inspirierende Einblicke in unsere Welt geben. In das, was dich erwartet und wie es im Unterricht oder in einer Weiterbildung tatsächlich zugeht. Wie solche Bilder entstehen, weisst du selbst: Handy raus, draufdrücken, möglichst oft, verschiedene Blickwinkel – grösser, kleiner, näher, über die Schulter oder frontal. So entstehen oft genau die Bilder, die eine Situation besonders gut einfangen.
Und was passiert dann?
Dann haben wir Bilder, auf denen Menschen zu sehen sind, du vielleicht. Oder deine Kolleg:innen. Damit kommt die entscheidende Frage:
Dürfen wir dich zeigen?
Bist du damit einverstanden, auf unserer Website, in einem Blogartikel, Newsletter oder Social-Media-Post zu erscheinen? Wenn du das nicht möchtest, zeigen wir dich natürlich nicht. Dürfen wir nicht, wollen wir auch nicht. Wenn du einverstanden bist, freuen wir uns darüber – und bedanken uns herzlich bei dir.
Was wir dabei schützen wollen
Natürlich müssen wir diese Einwilligungen auch dokumentieren. Am besten schriftlich, für beide Seiten nachvollziehbar und widerrufbar. Bei der Vielzahl an Kursen, Weiterbildungen und Teilnehmer:innen kommt da einiges zusammen. Bei einem spontanen Schnappschuss ist nicht immer sofort geklärt, wer darauf zu sehen ist oder ob wir Jahre später noch eindeutig nachvollziehen können, wer einer Veröffentlichung zugestimmt hat. Dann können wir ein gutes Bild entweder gar nicht verwenden oder müssen erkennbare Personen unkenntlich machen. Beides ist irgendwie schade.
Was KI hier verändern kann
Genau an dieser Stelle finden wir einige Möglichkeiten von KI ausgesprochen praktisch: Wir können eine reale Unterrichtssituation erhalten und einzelne Personen darin durch künstlich erzeugte Bilder ersetzen – zum Beispiel dann, wenn jemand nicht oder nicht mehr öffentlich gezeigt werden möchte.
So können wir weiterhin zeigen, wie Unterricht bei Chiway aussieht, ohne jemanden in eine Situation zu bringen, in der er oder sie sich vielleicht doch zu einem „Ja“ gedrängt fühlt. Wir können ein gutes Bild weiterverwenden, obwohl sich die Voraussetzungen verändert haben.
Aber was ist dann noch echt?
Genau hier wirds spannend – ein mit KI bearbeitetes Bild ist nicht automatisch „unecht“. Der/die Dozierende ist echt. Der Raum ist echt. Die Unterrichtssituation ist echt.
Was gezeigt wird, hat tatsächlich so stattgefunden. Aber: eine Person im Bild wurde ersetzt. Die erste Frage, der erste Reflex heutzutage ist klar: „Ist hier KI drin?“ Für uns stellt sich diese Frage so weniger. Wir fragen uns vielmehr:
Was wurde verändert, warum wurde es verändert – und täuscht das Bild über etwas Wesentliches hinweg?
Diese Unterscheidung finden wir wichtig, und sie bestimmt unser Handeln.
Wo für uns eine Grenze liegt
Technisch lässt sich inzwischen sehr vieles erzeugen. Das bedeutet für uns aber nicht, dass wir alles machen wollen, was möglich ist. Wir würden zum Beispiel keine künstlichen Studierendengruppen erzeugen, um einen Kurs gut besucht aussehen zu lassen, der es nicht war. Wir würden keine Unterrichtssituation erfinden, die bei uns so gar nicht stattfindet.
KI darf uns helfen, Menschen zu schützen, Inhalte verständlicher zu zeigen oder Bilder sinnvoll weiterzuverwenden. Sie soll aber keine Wirklichkeit behaupten, die es bei Chiway nicht gibt.
Das ist für uns eine wichtige Grenze.
Nicht alles ist schwarz oder weiss
Gerade unser Beispiel zeigt trotzdem, dass die Sache nicht immer ganz einfach ist. KI kann uns helfen, eine Person aus einem veröffentlichten Bild zu entfernen und damit ihre Privatsphäre besser zu schützen. Gleichzeitig müssen wir, um genau das zu tun, zunächst ein Bild mit dieser Person durch ein KI-System bearbeiten lassen. Eine Lösung kann also an einer Stelle etwas verbessern und gleichzeitig an anderer Stelle neue Fragen aufwerfen. Deshalb möchten wir KI nicht pauschal als gut oder schlecht einordnen. Wir schauen lieber genau hin:
Welches Problem wollen wir lösen? Welche Daten verwenden wir dafür? Welche Veränderung ist vertretbar? Und bleibt das, was wir zeigen, in seiner Aussage wahr?
Wie genau setzen wir KI bei Bildern ein?
Natürlich kennzeichnen wir Bilder entsprechend, die mithilfe KI bearbeitet wurden. Moment, ist das so natürlich? Auch früher schon sind Bilder bearbeitet worden – Farben retuschiert, Gesichter bearbeitet, Hintergründe angepasst… nur heute ist das so viel einfacher und verbreiteter, schneller und überwältigender – drum ist die Kennzeichnung diser Veränderungen, die häufig grundlegender sind als die gute alte Bildbearbeitung, tatsächlich wichtig.
Da wir nicht bei jedem einzelnen Bild ausführlich erklären können, was genau verändert wurde, hier unsere Leitlinien:
- Wenn du Dozierende oder Chiway-Team-Mitglieder siehst, sind diese Personen echt.
- Räume und Hintergründe können für eine bessere Darstellung zum Beispiel aufgehellt, beruhigt oder leicht angepasst worden sein. Aber es gibt diese Räume.
- Wenn Studierende, Teilnehmende unserer Witerbildungen oder Patient:innen zu sehen sind, deren Gesicht nicht erkennbar ist, handelt es sich um reale Personen.
- Ist ein Gesicht erkennbar, liegt entweder das Einverständnis der betreffenden Person vor oder die Person wurde so verändert beziehungsweise ersetzt, dass sie nicht identifizierbar ist.
- Wenn wir Bilder mit echten, erkennbaren Personen mithilfe von KI bearbeiten, achten wir darauf, welche Bilder wir dafür verwenden und welche Informationen wir dem eingesetzten KI-System übermitteln. Unnötige Angaben wie Namen oder andere personenbezogene Informationen verwenden wir dabei nicht.
Ein Beispiel
„So findet man einen Punkt – Simon Becker beim Unterrichten.“
Ein Bild aus dieser Serie nutzen wir in unseren Kommunikationsmitteln. Die Studentin links im Bild ist deutlich erkennbar. Sie war mit dem Fotoshooting und der Veröffentlichung einverstanden – und freut sich, dass wir das Bild verwenden.

Was aber, wenn sie es irgendwann nicht mehr möchte und ihre Einwilligung widerruft?
Dann könnten wir das Foto zum Beispiel so verändern:

Die Studentin würde durch eine künstlich erzeugte Person ersetzt. Simon Becker, die Unterrichtssituation und der Raum bleiben unverändert. Und natürlich kennzeichnen wir das Bild entsprechend. So können wir die Privatsphäre einer Person schützen und gleichzeitig weiterhin zeigen, wie Unterricht bei Chiway tatsächlich aussieht.
Wir finden, das ist eine gute Möglichkeit – gerade weil sie nicht einfach nur technisch praktisch ist, sondern uns auch hilft, verantwortungsvoll mit Bildern von Menschen umzugehen.
Unser Fazit
Wir glauben nicht, dass KI automatisch etwas menschlicher oder unmenschlicher macht. Entscheidend ist für uns, wie wir sie einsetzen. Wir möchten transparent damit umgehen, Menschen und ihre Persönlichkeitsrechte respektieren und gleichzeitig die Möglichkeiten nutzen, die uns neue Technologien bieten. Und wir werden dabei vermutlich auch weiterhin dazulernen. Denn gerade weil KI immer mehr kann, bleibt für uns die Frage immer wichtig:
Was wollen wir damit tun – und was ganz bewusst nicht?
Wir sind gespannt, wie du das siehst. Lass uns gern einen Kommentar da.
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