Highlight: Interview mit Dr. Hamid Montakab
40 Jahre Chiway Highlights, Chiway Expertenwissen, Chiway News WeiterbildungenHeute: Dr. Hamid Montakab im Interview
Dr. Hamid Montakab gründete 1986 die heutige Chiway Akademie. Sein Wirken reicht weit über die Schule hinaus: Er setzte sich für fundierte Ausbildungsstandards ein, baute den ersten Berufsverband mit auf und trug entscheidend dazu bei, chinesische Medizin in der Schweiz als eigenständigen Beruf zu etablieren.
Die Chinesische Medizin – Eine Medizin, die den Menschen behandelt
Hamid Montakab’s Weg zur chinesischen Medizin begann 1973 in Paris.
Er befand sich im fünften Jahr seines Medizinstudiums und war zunehmend unzufrieden mit der Medizin, die er kennenlernte. Sie behandelte aus seiner Sicht vor allem Fälle und Krankheiten – nicht den Menschen in seiner Ganzheit.
Eine Alternative sah er zunächst nicht, erst als sich für ihn, wie er im Interview sagt, die Tür der chinesischen Medizin öffnet, überzeugte ihn das.
Diese Begegnung sollte nicht nur sein Leben und seinen eigenen Berufsweg verändern. Sie wurde zum Ausgangspunkt einer Entwicklung, die die chinesische Medizin in der Schweiz bis heute prägt.
120 Stunden reichen nicht
Als Hamid Montakab Anfang der 1980er-Jahre in die Schweiz kam, wurde Akupunktur hauptsächlich von Ärzten praktiziert. Ihre Zusatzausbildung umfasste teilweise nur rund 120 Stunden.
Für ihn war das völlig unzureichend.
Chinesische Medizin war für Hamid Montakab kein kleines Zusatzinstrument zur westlichen Medizin. Sie ist ein eigenständiges medizinisches System mit einer eigenen Diagnostik, einem eigenen Verständnis von Gesundheit und Krankheit und einer Philosophie, die weit über einzelne Behandlungstechniken hinausreicht.
1986 gründete er deshalb die Academy of Chinese Healing Arts, aus der die heutige Chiway Akademie hervorging.
Die erste Ausbildung umfasste bereits rund 500 Stunden. Schrittweise kamen weitere Inhalte hinzu: westliche Medizin, chinesische Arzneitherapie und Tuina. Gleichzeitig holte Hamid Montakab international renommierte Lehrer wie Julian Scott, Jeremy Ross und Michael McIntyre in die Schweiz.
Sein Ziel war von Anfang an klar: chinesische Medizin auf einem Niveau zu unterrichten, das ihrer Tiefe und Komplexität, und den Menschen gerecht wird.
Mehr als die Gründung einer Schule
Die Gründung der Akademie war nur ein Teil seines Wirkens.
Hamid Montakab wollte nicht allein bessere Kurse anbieten. Er wollte die Voraussetzungen dafür schaffen, dass chinesische Medizin in der Schweiz als qualifizierter und eigenständiger Beruf ausgeübt werden konnte.
Ein entscheidender Moment war eine Diskussionsrunde mit Ärzten in Zürich. Dabei ging es um die Frage, ob eine Ausbildung von rund 120 Stunden ausreiche, um Akupunktur kompetent zu praktizieren.
Die teilnehmenden Ärzte argumentierten zunächst, ihre medizinische Vorbildung genüge. In der praktischen Auseinandersetzung konnte jedoch gezeigt werden, dass auch sie ein wesentlich tieferes Verständnis der chinesischen Medizin benötigten.
Nach diesem Treffen wurden die Ausbildungsanforderungen erhöht. Für Hamid Montakab war dies ein wichtiger Durchbruch: weg von kurzen Akupunkturkursen und hin zu einer ernst zu nehmenden professionellen Ausbildung.
Vom Berufsverband zum anerkannten Beruf
Parallel zur Entwicklung der Schule beteiligte sich Hamid Montakab am Aufbau des damaligen Berufsverbands SBO-TCM und wurde dessen erster Präsident.
Damit begann ein Prozess, der viele Jahre dauern sollte: Es mussten verbindliche Ausbildungsstandards entwickelt, ein eigenständiges Berufsbild formuliert und die Voraussetzungen für eine offizielle Anerkennung geschaffen werden. Was heute selbstverständlich wirken mag, musste damals Schritt für Schritt aufgebaut und gegenüber Behörden, Ärzteschaft und Öffentlichkeit vertreten werden.
Nach rund 15 bis 16 Jahren intensiver Arbeit wurde das Ziel erreicht: Chinesische Medizin erhielt in der Schweiz den Status eines eigenständigen und staatlich anerkannten Berufs.
Hamid Montakab betont im Interview, dass die Schweiz damit eine international einzigartige Stellung einnimmt. Anders als in vielen anderen Ländern ist chinesische Medizin hier nicht lediglich eine einzelne Methode innerhalb eines anderen Berufs oder Teil einer allgemeinen Heilpraktikertätigkeit. Sie verfügt über ein eigenes Berufsbild, geregelte Anforderungen und eine umfassende Qualifikation.
Darauf ist er besonders stolz.
Lernen mit Tiefe – und mit Freude
Trotz seines hohen fachlichen Anspruchs wollte Hamid Montakab keine trockene oder starre Schule schaffen. Lehren und Lernen sollten Freude machen.
Frühe Ausbildungsblöcke fanden deshalb auf Korfu, Mallorca und an anderen besonderen Orten statt. Am Nachmittag blieb Zeit für das Meer. Später wurden Kurse in den Schweizer Bergen durchgeführt, wo die Studierenden auch Skifahren konnten.
Die Gruppen lebten, lernten und feierten über längere Zeit gemeinsam. Studierende stellten die fünf Wandlungsphasen oder unterschiedliche Temperamente spielerisch dar. Kreativität, Gemeinschaft und Erfahrung wurden zu Bestandteilen des Lernens.
Diese Verbindung aus fachlicher Tiefe und lebendigem Unterricht gehört bis heute zum Erbe der Gründungszeit – die Chiway Ausbildung hat daher seit diesem Jahr Intensivblöcke an besonderen Orten bewusst wieder in die Diplomlehrgänge integriert.
Von Zürich nach Winterthur
Die ersten Schweizer Kurse wurden in Zürich durchgeführt. Über einen Studenten, der in Winterthur ein Physiotherapiezentrum mit einem grossen Unterrichtsraum betrieb, kam die Schule schliesslich nach Winterthur. Weitere Räume folgten. Winterthur, erzählt Hamid Montakab, habe der Akademie zunehmend die Arme geöffnet.
Seit mehr als 20 Jahren ist Chiway fest in der Stadt verankert.
Die Schule übergeben – die Aufgabe behalten
Vor rund 13 Jahren übergab Hamid Montakab die Leitung der Chiway Akademie an Simon Becker und Stefan Englert. Mit der Schule und dem Beruf ist er jedoch weiterhin eng verbunden.
Er unterrichtet nach wie vor Chiway-Studierende, gibt Seminare in der Schweiz und zum Beispiel auch in Polen und erreicht seit der stärkeren Verbreitung des Online-Unterrichts Menschen in Europa, Nordamerika und Australien.
Auch mehrere Bücher hat er veröffentlicht. Sein Antrieb ist derselbe geblieben: Chinesische Medizin weiterzuentwickeln, zu vermitteln und in ihrer ganzen Tiefe zugänglich zu machen.
Chinesische Medizin ist keine Technik
Seine wichtigste Botschaft an heutige Studierende bringt Hamid Montakab im Interview klar auf den Punkt:
Chinesische Medizin sollte nicht nur als Technik erlernt werden.
Die Art, wie ein Mensch Medizin praktiziert, spiegelt immer auch sein Weltbild, seine Haltung und sein Verständnis vom Leben wider. Wer chinesische Medizin wirklich ausüben möchte, muss sich deshalb mit ihren philosophischen Grundlagen beschäftigen.
Das bedeutet nicht, dass Studierende bereits in ihrer ersten Ausbildungswoche alle klassischen Texte verstehen müssen. Auch nach Jahrzehnten bleiben diese anspruchsvoll.
Doch die Grundprinzipien sind zugänglich: Yin und Yang, Wandel, Beziehungen und das Verständnis des Menschen als Teil eines grösseren Ganzen.
Für Hamid Montakab ist chinesische Medizin deshalb keineswegs eine veraltete Medizin. Viele ihrer grundlegenden Konzepte würden heute durch moderne Wissenschaft, zum Beispiel die Quantenphysik, in einer anderen «Sprache» neu beschrieben.
Nach mehr als 50 Jahren chinesischer Medizin lautet sein Rat:
Lernt nicht nur Akupunktur, Arzneitherapie oder Tuina. Versteht die Grundlagen – und versucht, die dahinterliegende Philosophie zu leben.
Damit beschreibt er zugleich den Anspruch, mit dem er die Chiway Akademie gründete und die Professionalisierung der chinesischen Medizin in der Schweiz vorantrieb – und dem die Chiway heute noch verbunden ist.
Demnächst: online Weiterbildungen mit Hamid Montakab
In den folgenden Wochen werden wir hier 2 spannende Online – Weiterbildungen von und mit Hamid Montakab veröffentlichen zum Thema
Angst verstehen – und mit Akupunktur begleiten
Angst gehört zu den grundlegendsten menschlichen Emotionen. Sie schützt uns, prägt unsere Wahrnehmung und kann unser Denken und Handeln tief beeinflussen. In der chinesischen Medizin spielt sie deshalb eine besondere Rolle – sowohl im Verständnis ihrer Ursachen als auch in der therapeutischen Begleitung.
Diese Weiterbildung mit Dr. Hamid Montakab widmet sich dem Thema in zwei Teilen: Der erste Teil beleuchtet die Mechanismen und unterschiedlichen Ausprägungen von Angst sowie mögliche Behandlungsstrategien mit Akupunktur. Der zweite Teil vertieft das Thema am Beispiel der Todesangst und beschäftigt sich mit der Begleitung von Menschen in existenziellen und lebensbedrohlichen Situationen.
Teil 1: Fear and Acupuncture Strategies
Mechanismen der Angst, Glaubensmuster, Angst aus Sicht der chinesischen Medizin und Behandlungsstrategien mit Akupunktur.
Teil 2: Fear of Death and Acupuncture Strategies
Todesangst, der Schock einer lebensbedrohlichen Diagnose, der Sterbeprozess und Akupunkturstrategien zur Begleitung dieses Übergangs.
Die Links dazu gibt’s bald hier – schaut wieder rein.
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Weitere Highlights der 40-Jahre-Reihe:
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- Interview Barbara Kirschbaum – 50 Jahre Erfahrung mit der Chinesische Medizin
- Webinar Christina Aubert zur Chinesischen Medizin in der Gynäkologie
- Interview Christina Aubert – Vom „Birchermüesli im Kopf“ zur TCM Expertin
- Webinar Jason Robertson zu „Extraordinary Vessels within Applied Channel Theory“
- Interview Stefan Maegli
- Interview Jason Robertson
- Interview Bernhard Nessensohn
- Webinar Anthony von der Mull
- Interview Dominik Rollé zur Zeitqualität der Chiway Gründungsjahre
- Interview Dominik Rollé zur Zeitqualität der zweiten 20 Jahre der Chiway
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weitere folgen!





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